Katholische Pfarrei
St.Georg

Erstes ökumenisches Christusfest


Lutheraner und Katholiken auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft
Erstes ökumenisches Christusfest wird zum beeindruckenden Glaubensereignis
Die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Amberg sind sich einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Sie feierten das Christusfest gemeinsam.
(ads) "Ihr seid alle eins in Christus Jesus" - dieser Vers aus dem Galaterbrief wurde als Leitspruch für das erste ökumenische Christusfest in Amberg gewählt. Die entscheidenden Impulse kamen von den Geistlichen der katholischen Pfarreien St. Martin, Hl. Dreifaltigkeit und St. Georg sowie den Pfarrern der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in der Stadt anlässlich des Reformationsjubiläums. Die Resonanz der Gläubigen beider Konfessionen war überwältigend.

Für sie wurde dieser Gottesdienst zu einem beeindruckenden Ereignis ihres religiösen Bekenntnisses. Denn Lutheraner und Katholiken gestanden sich gewissermaßen auch liturgisch gegenseitige Verfehlungen über Jahrhunderte hinweg ehrlich ein, um danach Zusagen für ein zukünftiges freundschaftliches Miteinander in gegenseitiger Akzeptanz und Respekt abzugeben.

Für den ökumenischen Gottesdienst hatten die Kirchenmusiker von St. Martin, Hl. Dreifaltigkeit und der Paulanergemeinde einen großen gemeinsamen Chor mit Sängern aus ihren jeweiligen Chören formiert, der unter der Gesamtleitung von Kerstin Schatz und Christian Farnbauer an der Orgel zu einem kirchenmusikalischen Hörgenuss wurde. Die Begrüßung zum ökumenischen Gottesdienst übernahmen der katholische Regionaldekan Pfarrer Ludwig Gradl und der evangelische Pfarrer der Paulanergemeinde, Joachim von Kölichen. Dieses Christusfest, betonte von Kölichen, solle ein fröhliches Fest der Gläubigen beider Konfessionen sein. Auch in Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Pfarrer von St. Martin, Franz Meiler, der in die Vorbereitung dieser ökumenischen Feier noch maßgeblich eingebunden gewesen sei.

Gemeinsam im Glauben
Von Kölichen hob hervor, dass sich Lutheraner und Katholiken sich beim Christusfest der gemeinsamen Grundlage ihres Glaubens an Jesus Christus als Sohn Gottes in dessen Liebe zu den Menschen versichern wollen. Im Reformations-Gedenkjahr werde die Erneuerung der Kirche Jesu Christi gefeiert. Doch, so von Kölichen: "Erneuerung ist kein historisches Geschehen. Auch nicht in der Ökumene. Und so befinden sich seit mehr als 50 Jahren Lutheraner und Katholiken auf dem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft aufgrund der freudig stimmenden Erkenntnis, dass das, was beide verbindet, viel größer ist als das, was sie trennt."

"Breitband-Theologicum"
Pfarrer Ludwig Gradl ergänzte, dass es deshalb möglich sei, sich in geschwisterlicher Verbundenheit zu einem großen Fest mit einem gemeinsamen Gottesdienst zu versammeln. Liturgen aus allen beteiligten Pfarrgemeinden thematisierten danach symbolisch trennende, wie verbindende Momente beider Konfessionen. Der katholische Dekan Markus Brunner, der anstelle des verstorbenen Stadtpfarrers Franz Meiler die Predigt übernommen hatte, empfahl das "Breitband-Theologicum 'Lutherol', für eine lebendige Ökumene in gegenseitiger Akzeptanz des Andersseins und gegenseitigem Respekt voreinander". Der Geistliche nahm Bezug auf den Korintherbrief und blickte auf die 500- jährige Geschichte der Reformation zurück, um unterschiedliche Charismen beider Konfessionen aufzuzeigen.

So stellte er die provokante Frage: "Hätte die Spaltung, die viel Leid und Schmerz gebracht hat und im 30-jährigen Krieg gipfelte, verhindert werden können?" Brunner fand keine abschließende Antwort auf diese Frage, sondern riet: "Wir wollen mit dem Ziel, in Christus eins zu sein, nicht mehr nebeneinander oder gar gegeneinander den Weg des Glaubens beschreiten. Sondern miteinander gehen in echter Freundschaft, wobei Akzeptanz und Respekt gegenüber dem Anderssein des Anderen ein Muss ist." Abschließend gaben Regionaldekan Ludwig Gradl und Dr. Johannes Blohm fünf ökumenische Zusagen ab, zu denen Jugendliche aus den Gemeinden eigens entworfene Kerzen entzündeten. Exemplare zur Erinnerung an dieses denkwürdige Christusfest können in den Pfarrämtern Paulaner (Tel. 48590) und Erlöser (Tel. 82173) bestellt werden. Im Pfarrgarten von St. Martin wurde dann noch weltlich gefeiert.

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