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Katholische Pfarrei
St.Georg


Osternacht im Zeichen der Coronakrise

Timo Doleschal

Bild: eik

Im Freien, am Seiteneingang beim Pfarrgarten, segnete Dekan Markus Brunner (Dritter von links) das Osterfeuer, an dem die Osterkerze entzündet wurde.

Es ist ein anderes Osterfest als sonst - auch eine andere Osternacht. In St. Georg feiert Dekan Markus Brunner erstmals ohne Gläubige, dafür aber per Livestream. Auch im Martin-Schalling-Haus läuft eine Kamera, während Stühle leer bleiben.

Man könne die Osternacht 2020 nicht begehen, "ohne auf das einzugehen, was uns Angst macht und Unbehagen hervorruft", sagte Pfarrer Markus Brunner im Beisein von Kaplan Florian Rein, Pfarrvikar Pater Stefan Danko, Diakon Benjamin Raffler, Gemeindereferentin Gabriele Papp und Kirchenmusikerin Kataryna Menges im ansonsten leeren Gotteshaus, aus dem die Amberger Zeitung und Oberpfalz-Medien live streamten. Brunner meinte damit in erster Linie einen mikroskopisch kleinen Krankheitserreger, der die Welt aus den Angeln gehoben hat: "Alles, was so selbstverständlich war, ja, eigentlich zu selbstverständlich, wird auf den Kopf gestellt." Mehr noch: "Corona bedroht unsere Gesundheit und unser Leben."

Brunner wörtlich: "Wir sind gesamtgesellschaftlich vor eine Herausforderung gestellt, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat." In seiner Predigt zitierte der Dekan Papst Franziskus, der angesichts der Pandemie gesagt habe: "In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen. Wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwerkranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in unserer kranken Welt immer gesund bleiben würden." Vielleicht, so Brunner, habe es die Erfahrung der Nacht gebraucht, um zu registrieren, dass das Leben nicht immer eitel Sonnenschein ist. Realisten hätten längst erkannt, "dass es so nicht mehr lange weitergehen konnte".

Neue Verbundenheit mit Gott

Doch was könne helfen? Laut Brunner geht es nun darum, vernünftig zu sein, sich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten und Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Eine Beobachtung sei neu und interessant zugleich: "Jetzt, da das menschliche Leben zerbrechlich und gefährdet erscheint, erkennen immer mehr, welch großen Wert der Glauben besitzt." Die Menschen wüssten wieder zu schätzen, dass die Verbundenheit mit Gott Ruhe, Halt, Geborgenheit, Gelassenheit und Hoffnung schenke. Danach segnete Brunner die Speisen, die Gläubige zuvor abgegeben hatten und am Sonntag wieder holten. Nach fast zwei Stunden endete die Osternacht mit diesen Worten des Pfarrers: "Das Licht der Auferstehung ist mit seiner Kraft stärker als jede Dunkelheit." Dunkelheit. Das war auch das Stichwort für Pfarrer Bernd Schindler, der sich im Kümmersbrucker Martin-Schalling-Haus mit Pfarrerin Julia Sollinger, Pfarrer Matthias Weigart, Pfarrer Joachim von Kölichen, Dekanatskantorin Kerstin Schatz und Diakonin Veronika Fleps zunächst vor einer Feuerschale versammelte. Dort wurde auch die Osterkerze entzündet. Schindler sagte: "Gutes Leben zu finden, ist für uns die Aufgabe dieser Tage." Doch das sei keine leichte Aufgabe: "Nicht alles, was sich in den letzten Wochen drückend auf unsere Seele und das Zusammenleben gelegt hat, wird auf einmal verschwunden sein."

"Auf der gesamten weiten Welt"

Das Schwere dieser Tage werde sich wohl weiter beharrlich halten: "In unseren Gedanken und Gefühlswelten. In unserem Land. Ja, auf der gesamten weiten Welt. Wir werden weiter lernen müssen, damit zu leben und das Gute darin zu suchen und hoffentlich zu finden." Schindler: "Vielleicht gerade deshalb müssen wir dieses Ostern umso mehr feiern. Denn es ist die Botschaft, dass das Dunkle nicht das allerletzte Wort behalten wird."

 

Bild 2

Bild: eik

Oberpfalz-Medien und die Amberger Zeitung streamten die Osternacht aus St. Georg live im Internet.

 

Bild 3

Bild: eik

Speisenweihe in Corona-Zeiten: Weil die Gläubigen nicht am Gottesdienst teilnehmen konnten, hatten viele Körbchen mit den traditionellen Osterspeisen vorab in St. Georg abgegeben. Die Körbe wurden in der Kirche aufgestellt und in der Osternacht bzw. im Ostersonntagsgottesdienst gesegnet. Danach konnten sie wieder abgeholt werden.