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Katholische Pfarrei
St.Georg

Allerheiligen in Amberg: Gräbergang auf Abstand

Eine überfüllte Kirche und dichtes Gedränge auf dem Friedhof - Allerheiligen passt so gar nicht zu den Vorgaben zum Infektionsschutz. In Amberg und im Kreis Amberg-Sulzbach gehen die katholischen Pfarreien unterschiedlich damit um.

Dekan Markus Brunner von St. Georg in Amberg weist auf die neueste Fassung der diözesanen Anweisungen für die Liturgie hin. Dort heißt es: „Gottesdienste im Freien sind (ohne Erfordernis einer Einzelfallgenehmigung) an geeigneten kirchlichen Orten unter Gewährleistung der Abstandsregeln und der Maskenpflicht möglich." Das lässt Gestaltungsspielraum für Allerheiligen - je nach räumlicher Beschaffenheit von Kirchen und Friedhöfen.

Die verantwortlichen Pfarrer und ihre Helfer in den Gemeinden haben viel Einfallsreichtum walten lassen, um gangbare Lösungen zu finden. St. Georg lädt wie immer an Allerheiligen um 14 Uhr zur Andacht an der Aussegnungshalle des Katharinenfriedhofs und zur anschließenden Gräbersegnung ein. "Es waren aber nie über 200 Personen, so dass die geltende Vorgabe, die Veranstaltungen mit maximal 200 Leute im Freien erlaubt, nicht überschritten werden dürfte", heißt es im Pfarrbrief dazu. Natürlich müssen auch hier Abstandsregeln eingehalten werden, die Pfarrei bittet um das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Plan B für den Waldfriedhof
Auch in der Stadtpfarrei St. Martin findet die Gräbersegnung wie geplant um 14 Uhr auf dem Waldfriedhof statt. Pfarrer Thomas Helm hat aber einen Plan B, falls die Coronazahlen extrem steigen und größere Veranstaltungen vollends untersagt werden. Sollte dem so sein, wird der Geistliche an Allerheiligen alleine zu einer unbestimmten Zeit auf den Friedhof gehen und die Gräber segnen - ohne anwesende Gläubige. In jedem Fall liegen in der Martinskirche kleine Weihwasserfläschchen sowie Textvorschläge für kurze Andachten am Friedhof zur Mitnahme aus. So können die Gläubigen auch alleine am Grab beten. Auch die Pfarrei Dreifaltigkeit hält an der Gräbersegnung um 14 Uhr fest, der Dreifaltigkeitsfriedhof ist ja auch relativ weitläufig, so dass die Abstände gut eingehalten werden können. Eine Andacht in der Kirche wird es aber nicht geben.

Anders sieht es oft in den Pfarrgemeinden auf dem Land aus, wo sich die Gräber mitunter eng um die Gotteshäuser reihen. In Schmidmühlen zum Beispiel finden über den Tag verteilt drei Friedhofsgänge statt. Die Angehörigen werden dazu nach Alphabet in drei Gruppen aufgeteilt. Die Pfarreiengemeinschaft Schnaittenbach-Kemnath hat den gemeinsamen Gräbergang abgesagt. Stattdessen lädt Pfarrer Josef Irlbacher ein, im Laufe des Allerheiligennachmittags das Totengedenken für sich und einzeln zu gestalten. Für das Gebet am Grab erhalten die Friedhofsbesucher eine Handreichung. Außerdem werden über die Lautsprecher am Schnaittenbacher und Kemnather Friedhof von 13.30 Uhr bis 16 Uhr Gebete und passende Lieder zu hören sein, die für eine geistliche Atmosphäre sorgen sollen. Um dem Tag einen würdigen Abschluss zu geben, werden in der Pfarreiengemeinschaft am 1. November um 16 Uhr die Glocken der Kirchen und Kapellen auf den Friedhöfe läuten. "Eine gute Gelegenheit, zu Hause für die Verstorbenen zu beten, alleine oder in der Familie", sagt Pfarrer Irlbacher.

Details in den Pfarrbriefen
Alle Pfarreien bitten um das Tragen von Mund-Nasenschutz und das Einhalten des Sicherheitsabstands auch bei den Friedhofsbesuchen im Freien. Wegen aktueller Vorgaben staatlicherseits können sich Änderungen bis zuletzt ergeben. Die individuellen Regelungen verkünden die Priester in den Gottesdiensten oder stehen bereits in den jeweiligen Pfarrbriefen. "Dazu sollten die Gläubigen auch die Zeitungsberichte verfolgen", rät Irlbacher.

Einig sind sich alle Pfarrer in diesem Punkt: Es soll unbedingt vermieden, dass es an und zwischen den Gräbern unkontrollierbar eng zugeht und der Abstand nicht gewährleistet ist. Gleichzeitig sind sich die Geistlichen bewusst, dass das Totengedenken ein wichtiges Anliegen des katholischen Glaubens auch in Zeiten von Corona ist und bleibt. Pfarrer Irlbacher unterstreicht das: „Das Gedenken der Verstorbenen berührt das Innerste des Menschseins und auch die Mitte unseres Glaubens.“

Allerheiligen in Coronazeiten: Die Pfarreien finden kreative Wege
Corona ist eine Wirklichkeit, Allerheiligen aber auch. Bischof Rudolf Voderholzer ermutigte alle Pfarreien im Bistum Regensburg, den Festen und Traditionen in Bayern einen Weg zu bahnen. Wie dieser Weg ausschaut, das lässt sich nur am jeweiligen Ort festlegen. Die Regelungen des Freistaates bilden den Rahmen. Aber wie der maskierte Abstand an Allerheiligen jeweils umzusetzen ist, das hängt zum Beispiel von der Größe und Anlage des Friedhofs ab, von den tatsächlichen Infektionsrisiken oder von räumlichen oder technischen Möglichkeiten.

"Wichtig ist nur: Allerheiligen fällt nicht aus", heißt es in einer Pressemitteilung, die das Bistum am Freitagnachmittag versandt hat. "Wie die Gräber gesegnet werden, wo wir Fürbitte halten für die Verstorbenen oder ob man gemeinsam zum Friedhof geht: Das alles kann in diesem Jahr anders sein."

„Die Menschen werden von der Kirche nicht alleingelassen“, wird Dekan Josef Ofenbeck zitiert. Das gelte besonders auch für die Trauernden. Deshalb ist er dankbar, dass trotz der Corona-Pandemie Allerheiligen begangen werden kann. Und er ist zuversichtlich: „Die Menschen handeln sehr umsichtig und vernünftig. Wir können verantwortet feiern, weil auch die Menschen verantwortet handeln.“ Trotz der Einschränkungen, die Abstandsregeln und das Tragen des Mundschutzes, ist er sich sicher: „Allerheiligen wird ein schönes Fest.“ Dekan Ofenbeck will besonders Familien ermutigen, gesammelt an den Feiern teilzunehmen. Die Kapazität der Kirchen könne so am besten genutzt werden. Für den persönlichen Gräbergang empfiehlt er den Gläubigen das Gebetsblatt zum Gedenken am Grab, das auf der Webseite des Bistums Regensburg heruntergeladen werden kann.

Auch Dekan Thomas Jeschner aus Eschenbach empfiehlt das Gebetsblatt zum persönlichen Gräbergang an Allerheiligen und Allerseelen. Er wird es in der Kirche und am Friedhof auslegen und außerdem mit dem Pfarrbrief verteilen. So kann jeder am Grab für seine verstorbenen Verwandten beten. Abgesehen davon solle sich jeder gewiss sein: Kein Grab bleibt ungesegnet – das ist Jeschner wichtig. An Allerheiligen wird er die Gräber auf dem Friedhof segnen, wenn er auch in diesem Jahr die Segnung stellvertretend für die ganze Pfarrei vornehmen wird. Eschenbach liegt im Kreis Neustadt an der Waldnaab mit derzeit mehr als 100 Coronafällen pro 100 000 Einwohner.

 

Allerheiligen 1

Allerheiligen in Corona-Zeiten: Die Pfarreien in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach
gehen unterschiedlich mit den Vorgaben zum Infektionsschutz um.

 

Allerheiligen 2

Überall auf den Friedhöfen der katholischen Pfarreien bereiten Gläubige die Gräber
auf das bevorstehende Fest Allerheiligen vor.

 

 

Bilder und Text: Frau Adele Schütz