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Katholische Pfarrei
St.Georg

Sanierung von St. Katharina läuft auf Hochtouren


 
Erst ist die Statistik an der Reihe

Die Schäden sind nicht zu übersehen. Überall morsches Holz, unsachgemäß entfernte Balken und mittendrin eine absolute Bausünde. Der Dachstuhl der Friedhofskirche St. Katharina ist in einem schlimmen Zustand. Die Sanierung war dringend notwendig.
Anton Landgraf ist in seinem Element. Er deutet hierhin, rennt weiter, zeigt da irgendein Detail, springt absolut trittsicher von Balken zu Balken und merkt dazwischen noch etwas anderes an. Mit seiner Firma ALS ist Landgraf in diesem ersten Bauabschnitt der Sanierung von St. Katharina verantwortlich sowohl für die Objekt- als auch für die Tragwerksplanung. Landgraf fängt bei einer Sanierung immer von oben an, beim Dachstuhl. Dort verstecken sich seiner Erfahrung nach meist die Ursachen für die Schäden an einem Gebäude, die ganz woanders zu sehen sind.



Balken hat sich gebogen
In St. Katharina war es ein Stück der barocken Stuckdecke, das eines Tages plötzlich heruntergefallen ist. Oben im Dachstuhl zeigt Anton Landgraf, warum das so war. Die barocken Baumeister, die die Decke einzogen, hängten diese nämlich an zwei mächtigen Balken auf, die sie einfach quer in den gotischen Dachstuhl legten. Die Balken bogen sich im Lauf der Jahrhunderte wegen des immensen Gewichts naturgemäß immer mehr durch, in der Decke entstanden dadurch Risse und am Ende stürzte das Teil.

"Es gibt in diesem Gebäude drei Arten von Schäden", erläutert Landgraf. "Die der Erbauer um 1370, die der Erweiterung 1588 und die aus dem Barock um 1700." Schon die Zimmerleute des Mittelalters machten laut Landgraf den Fehler, dem gotischen Dachstuhl zu wenig "Vorholz" zu geben. Damit lag der nicht sauber auf den Wänden auf, die Kräfteableitung funktionierte von Anfang an nicht richtig, der Dachstuhl drückte nach außen. Dazu kamen die klassischen Feuchteschäden, die Zimmerer Christian Kraus und seine Leute in akribischer Kleinarbeit gerade reparieren. Feuchtes und morsches Holz wird herausgeschnitten und durch Neuholz ersetzt.

Dachreiter zerstört alles
"Das sind zum Teil katastrophale Schäden", sagt Anton Landgraf und eilt zum schlimmsten Fall im Dachstuhl: dem barocken Dachreiter. Mit brutaler Gewalt wurde dessen Konstruktion in den urgotischen Dachstuhl gezwängt. Wo dieser nicht passte, wurde er einfach passend geschnitten. "Der Barock", so erklärt Landgraf", hat immer alles ohne Rücksicht gemacht." Seine Aufgabe war es, eine Lösung zu finden, die diese Folgen für das sensible Kräftegleichgewicht wieder beseitigt.

Theoretisch gibt es diese bereits, sie muss in den kommenden Wochen praktisch umgesetzt werden. Was auch nicht ganz appetitlich werden dürfte. "Da oben sind ungefähr 3000 Tauben drin", übertreibt Zimmerer Christian Kraus ganz bewusst. Die müssen samt ihrer stinkenden Hinterlassenschaften beseitigt werden. Kein Problem hingegen bereitet der Holzwurm. "Nach 300 Jahren findet er in den Balken keine Nahrung mehr", beruhigt Anton Landgraf mit einem Blick auf die zahllosen uralten Wurmlöcher im Holz.

Wichtig ist in diesem Bauabschnitt, dass die Statik wieder ins Lot gebracht wird. "Erst muss die in Ordnung sein, dann kann die Kosmetik gemacht werden", sagt Landgraf und meint damit die Innensanierung der Friedhofskirche.

Bericht: ads