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Katholische Pfarrei
St.Georg

Friedhofskirche St. Katharina erwacht aus dem Dornröschenschlaf






Friedhofskirche St. Katharina erwacht aus Dornröschenschlaf
Amberg. (ads) Waren Sie schon mal in der Katharinenkirche beim gleichnamigen Friedhof? Womöglich schon. Aber das dürfte eine ganze Weile her sein. Denn seit August 2012 ist das Gotteshaus wegen Einsturzgefahr geschlossen. Die langsamen Mühlen der Bürokratie hätten es nicht zugelassen, dass die Renovierung zügiger vonstattenging, erinnert Dekan Markus Brunner in seiner Funktion als Bauherr. Er macht bewusst: „Hartnäckigkeit, Überzeugungskraft, Hingabe und insbesondere die Spendenfreudigkeit der Gläubigen ließen das Vorhaben schließlich reifen“. Nun ist die Renovierung der Friedhofskirche St. Katharina endlich abgeschlossen. „So viel kann schon gesagt werden: Sie ist wunderschön geworden“, schwärmt Dekan Brunner und fügt hinzu: „. So herrlich, wie sie jetzt erstrahlt, hat womöglich noch kein Lebender dieses Gotteshaus gesehen – ohne Übertreibung“.
Am Sonntag, 30. Juni, wird nun die Kirche feierlich wiedereröffnet. Zur Festmesse um 10 Uhr kommt Weihbischof Reinhard Pappenberger. Die Chorgemeinschaft St. Georg gestaltet den Festgottesdienst musikalisch. Außerdem werden Jana Müller Sopran, Sebastian Brandl an der Orgel und Gesamtleiter Dieter Müller an der Querflöte weitere Stücke zu Gehör bringen. Da der Kirchenraum nur begrenzt Platz bietet, wird im Kirchhof ein Bildschirm für alle Mitfeiernden aufgebaut werden. Anschließend wird weitergefeiert – bei Bratwürstln, Getränken, Kaffee, Kuchen und angenehmen Begegnungen. Wissenswertes zu Renovierung und Kirchenausstattung gibt es bei einer Kirchenführung mit Architekt Heinrich Schwirzer und Dekan Markus Brunner um 13 Uhr. Vorgestellt wir auch das Patenprojekt für die zu restaurierenden oder neu anzuschaffenden Ausstattungsgegenstände der Katharinenkirche.
„Für ganz Amberg sichtbar, geht ein langer, mit viel eigenem Einsatz und Herzblut vorangebrachter Wunsch, des Dekans Markus Brunner, Kirchenpflegers Hans Paulus und der Kirchenverwaltung St. Georg seinem Ende entgegen“, weiß Architekt Heinrich Schwirzer, in dessen Händen die Generalsanierung der Katharinenkirche lag. Vor mehr als sechs Jahren begannen die Vorbereitungen und Planungen für die umfangreichen Sicherungs-, Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Friedhofskirche „St. Katharina“. Auslöser der Renovierungsmaßnahmen waren Risse und Feuchtigkeitsschäden an den Wänden und eine mehrere Quadratmeter große herabgestürzte Putzdecke im Langhaus der Kirche. Da auch die verbliebenen Deckenteile nicht mehr standsicher waren, wurde mit Eintritt des Schadens auch die sofortige Schließung des Gotteshauses angeordnet und erste Sanierungsüberlegungen getätigt. Aufgrund der fast 650-jährigen Geschichte und ihrer historischen Bedeutung konnte nur eine behutsame und vor allem denkmalgerechte Sanierung in Betracht gezogen werden. Um eine entsprechend sensible Bearbeitung des Bauwerkes zu gewährleisten, musste die Planungen durch ein im Denkmalbereich erfahrenes Architekturbüro erfolgen, zudem mussten im Vorfeld umfangreiche und aussagekräftige Untersuchungen durch erfahrene Restauratoren durchgeführt werden. So wurden neben baukonstruktiven Teilen, vor allem Materialien und die Farbigkeit der Decken, Wände und Natursteinflächen untersucht. Ausstattung und Einbauten wurden ebenfalls genau begutachtet und als Grundlage für die Wahl der Sanierung und Farbgebung herangezogen. In mehreren Bereichen wurde geplant und saniert. Insgesamt wurden drei Bauabschnitte gebildet. Wobei zunächst die Statik, dann der Innenraum und zuletzt die Ausstattung der Kirche in einer äußerst sensiblen, der Nutzung und dem Denkmal gerechten Form wiederhergestellt wurden. Die Vorbereitung, Genehmigung und statische Sicherung der insgesamt drei Bauabschnitte beanspruchten dabei fast fünfeinhalb Jahre. Die bauliche Umsetzung der Maßnahmen konnte in rekordverdächtigen sieben Monaten durchgeführt werden. In enger Abstimmung mit der Diözese Regensburg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Stadt Amberg haben der Bauherr und sein beauftragtes Architekturbüro die Sanierungsarbeiten geplant und umgesetzt. Neben dem Schutz und der Erhaltung der bestehenden Bausubstanz war die Verbesserung der Nutzung gefordert. Diesem Bauherrnwunsch tragen die neu gestaltete Kirchenzugänge und die Erschließung der neuen Sakristei Rechnung.
„Dem engagierten Einsatz von Dekan Markus Brunner und Kirchenpfleger Hans Paulus ist es zu verdanken, dass auch die, bereits bei einer der letzten Umbauarbeiten ausgebauten und praktisch vergessenen, neugotischen Seitenaltäre wieder restauriert und rückgeführt wurden“, betont Heinrich Schwirzer. Die neugotische Ausstattung mit Hoch- und Seitenaltären positionieren sich im restaurierten gotischen Chor- und barocken Langhaus ganz unaufdringlich und wie selbstverständlich. Sie bilden im Kirchenraum trotz unterschiedlichster Baustiele und -Epochen zusammen mit den Kreuzwegbildern ein einheitliches und stimmiges Gesamtbild. Unterstrichen wird dieses Gesamtbild durch ein vom Bauherrn zusammen mit uns Architekten entwickeltem Beleuchtungskonzept. Die Beleuchtung der Räume wurde so angelegt, dass sich das Licht aus dem Raum heraus entwickelt ohne die Lichtquellen zu zeigen oder zu betonen. Dass die Einweihung der neu sanierten Kirche nun am 30.Juni durchgeführt werden kann und die Arbeiten bis dahin abgeschlossen werden, ist nach Auskunft von Pfarrer Brunner vor allem dem kompetenten, disziplinierten und engagierten Arbeiten des Architekten Heinrich Schwirzer und der am Bau Beteiligten Firmen zu verdanken. Die Baukosten der einzelnen Bauabschnitte belaufen sich für den 1. Bauabschnitt auf ca. 1.000.000 Euro, für den 2. Bauabschnitt auf ca. 960.000 Euro und für den 3. Bauabschnitt auf ca. 270.000 Euro.


Architekt Heinrich Schwirzer gibt einen ehrlichen und tiefen Einblick, wie er an die Sanierung der Friedhofskirche herangegangen ist: Neben den allgemeinen Anforderungen die das Bauen im Bestand mit sich bringt, ist es für mich als Architekt, der mit historisch wertvollen und denkmalgeschützten Bestandsbauten arbeitet, immer wichtig ein Gefühl für das Gebäude, seine Räume und seine Formensprache zu bekommen. Auch versuche ich die ursprüngliche oder gewünschte Wirkung -sofern sich dahinter eine echte Ernsthaftigkeit erkennen lässt - der Bauteile und Materialen zu fühlen und aufzunehmen. Ich möchte das Gebäude und seine gewünschte oder mögliche Wirkung tatsächlich verstehen. Auch wenn sich das sehr theoretisch und vielleicht auch etwas entrückt anhört, ist das für mich die Grundvoraussetzung des gestaltenden Umganges mit Denkmälern. Erst wenn ich glaube den „Charakter“ von Bauwerken oder Räumen zu erkennen, kann ich gezielt damit umgehen. Natürlich kann und muss man in der Denkmalspflege auch Neues einbauen und Bestehenden verändern, aber entsprechend meiner Überzeugung so, dass die Wirkung der neuen Architektur dem Bestand bewusst gerecht wird.
Konkret am Beispiel der Friedhofskirche „St. Katharina“ glaube ich, dass es mit der Sanierung gelungen ist, die verschieden vorhanden Bauepochen und Baustile so zueinander zu führen, dass sie für sich immer noch klar ablesbar bleiben den Raum als Ganzes aber ein einheitliches und harmonisches Gesamtbild verleihen. Nicht das einzelne Bau- oder Ausstattungsteil dominiert, sondern sein Zusammenspiel im und für den Raum. Der Raum strahlt neben anderen Eindrücken insgesamt und insbesondere eine feierliche und kontemplative Atmosphäre aus. Die Beleuchtung war und ist dabei natürlich auch von entscheidender Bedeutung. Dadurch, dass sich nur das Licht und nicht der Leuchtkörper zeigt, wird vermieden, dass die Leuchten in den Fokus des Betrachters rücken und den Blick für den Raum nehmen. Als Architekt, der sich ernsthaft mit Bauen im Bestand beschäftigt, habe ich natürlich immer wieder mit Denkmälern zu tun. So habe ich, um ein paar bekanntere Bauwerke zu nennen, beispielsweise fast 10 Jahre die Sanierung des Klosters Speinshart geleitet oder für den Oscarpreisträger Nicolas Cage das Schloss Neidstein saniert. Daneben war und bin ich immer wieder mit der Sanierung von Kapellen und Kirchen beschäftigt. Aber unabhängig davon, ob es sich um einen Profan- oder Sakralbau handelt, sind die Anforderungen praktisch nie vergleichbar.

Fotos und Bericht: Adele Schütz