Katholische Pfarrei
St. Georg

St. Georg in Amberg: Die Stimme der „Orgel-Queen“ erwacht

Am 26. April um 10 Uhr wird die neue Orgel in St. Georg in Amberg gesegnet.

Gerhard Siegl, der Sachverständige der Diözese, sieht und hört immer sehr genau hin. Auch bei der neuen Orgel in St. Georg in Amberg.

 

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Die Pfeifen des Principal 8’ im Prospekt erstrahlen in neuem Glanz.    

 

Die Besucher der Osterliturgie in St. Georg in Amberg haben es gleich bemerkt: Das Gerüst vor der Westempore ist abgebaut. Der Orgelprospekt der Brüder Funtsch von 1767 ist mit glänzenden Zinnpfeifen bestückt. Sie wird den barocken Kirchenraum mit lebendigen und farbenfrohen Klängen füllen und die Liturgie bereichern. Seit Februar 2026 hat sich auf der Empore der Kirche viel getan. Das Technik-Montageteam der Firma Klais aus Bonn tauschte mit dem Klanggebungsteam, den „Intonateuren“, unter der Leitung von Andreas Saage den Platz. Seine Aufgabe ist sehr kunstvoll, künstlerisch und musikalisch: Er gibt den 2106 Pfeifen ihren individuellen charakteristischen Klang, ihre Sprache und Musikalität. Saage und Bernd Reinartz waren von Anfang an die Wunschkandidaten des Fördervereins. Peter Donhauser hatte ihre Namen schon vor Jahren bemerkt, bei Orgeln, die sie in überragender Weise intoniert hatten: im Dom zu Speyer, in Bergheimbei Salzburg, in Neckarsulm, in Lubin (Polen), in Rottenbuch und in der Elbphilharmonie Hamburg, um nur einige Orte zu nennen.

Georgsorgel spricht Klang-Dialekt: Die Amberger Klais-Orgel wird einen süddeutschen, oberpfälzisch geprägten Klangdialekt sprechen: Mit ihrer breiten 8’-Palette können warme, runde Vokale und klare, geschmeidige Konsonanten aufgerufen und gestaltet werden. Jede einzelne Pfeife – sei sie aus Zinn-Blei- Legierung oder aus Holz, sei sie Teil eines Labial- oder Zungenregisters – muss also eine intensive „Stimmbildung“ erfahren: Wie viel Wind darf durch das Pfeifenloch einströmen? Bilden sich die gewünschten Obertöne? Spricht die Pfeife gut an, passt sie in Lautstärke und Farbe zu ihren benachbarten Kolleginnen? Bei den Intonateuren ist umfassendes Fachwissen gefragt, ebenso wie präzise Feinmechanik und ein sehr gutes Gehör. Andreas Saage steigt immer wieder ins Kirchenschiff hinab, um zu prüfen, wie die Klänge dort ankommen. Das Ergebnis seiner Arbeit richtet sich schließlich an die Gottesdienst- oder Konzertbesucher. Der gewünschte Klangmuss unten hör- und erlebbar sein, nicht nur am Spieltisch. Aus diesem Grund experimentierten die Orgelbauer immer wieder mit demWinddruckder drei Teilwerke. Es geht dabei um Millibar: Im Hauptwerksind es 80, im Hinterwerk 75 und im Pedal 100. Zum Vergleich: Ein Autoreifen benötigt etwa 2500 Millibaroder 2,5 Bar Druck. Auch der Trakturspezialist Markus Eßer ist noch beschäftigt: Er justiert die Spieltraktur fein. Der Spieler soll mit seinen Fingerspitzen einen direkten Kontakt zu den Ventilen haben und mit seinem Anschlag die Ansprache und das Abklingen der Pfeifen feinfühlig gestalten können.

Ritual der Ersttonfeier:  Ein handwerkliches Ritual – ähnlich dem Richtfest bei einem Haus – wurde nicht vergessen: die Ersttonfeier, das Erklingen der ersten eingestellten Register. Nach traditionellem Brauch verlas Orgelbauer Bernd Reinartz ein Gedicht, Pfarrer Brunner erteilte den „Baustellen- Segen“. Mitglieder des Fördervereins sprachen Psalmen und sangen die ersten Choräle mit Orgelbegleitung. Das Gedicht und die Namen der Feiernden sind auf der Innenseite einer Gehäusetür verewigt. Zur Segnung der Orgel durch Diözesanbischof Voderholzer wird ein Buch erscheinen, das Peter K. Donhauser und Markus Lommer im Auftrag des Fördervereins Georgsorgel verfasst haben. Auf 192 Seiten wird die Geschichte der Orgeln in St. Georg seit 1430 dargestellt. Erstmals gibt es auch eine Dokumentation des erhaltenen Schwesterinstruments auf dem Habsberg, verfasst von Hans-Wolfgang Theobald von Orgelbau Klais. 

Bilder: Rudolf Ettl